/ Kirche in der Ukraine / Abriss aus der Geschichte des Christentums in der Ukraine:
PAPSTBESUCH IN DER UKRAINE    
Juni, 23-27, 2001    
Kirche in der Ukraine

Christentum in der Ukraine im XXI Jahrhundert
Orthodoxe Kirchen in der Ukraine
Katholische Kirchen in der Ukraine
Die Ukrainische Griechisch-Katholische Kirche im Exil
Abriss aus der Geschichte des Christentums in der Ukraine
Ukrainische Mitkämpfer des Glaubens
Vermittler der Ukrainischen Griechisch-Katholischen Kirche im XXI.Jahrhundert


ABRISS AUS DER GESCHICHTE DES CHRISTENTUMS IN DER UKRAINE

Aus dem Vortrag des Professors Oleg Turij ( Institut der Kirchengeschichte), gehalten an der Konferenz in Fraising (Deutschland) am 15. September 2000.

Die Ukraine hat vieljährige, christliche Geschichte, die ihren Anfang im X.Jahrhundert nimmt. In der Ukraine gibt es heute mehr als 22000 religiöse Gemeinden mit fast 80 verschiedenartigen christlichen Richtungen.Obwohl die sowjetische atheistische Propaganda im grossen und ganzen erfolglos war, gehören heute viele Ukrainer keiner Kirche an. Das hat zur Folge geistliche Verwüstung, die das bolschewistische Regime in Osteuropa hinterlassen hat.



Umschlagen der Ukraine und Spannungen zwischen Osten und Westen

Fürst Wolodymyr der Grosse hat 988 Christentum in seinem östlichen (byzantisch-slawischen) Ritus als Staatsreligion der Kyiver Rus eingeführt. Das geschah vor der grossen Kirchenspaltung 1054, die christlichen Osten und Westen getrennt hat. Kyivere Kirche erbte die Bräuche des byzantischen Ostens und war ein Teil des Konstantinopolischen Patriarchats. Diese Kirche stand aber in voller Verbindung mit lateinischem Westen und seinem Patriarchen – Papst.

Ungeachtet der Streitigkeiten  zwischen Konstantinopel und Rom haben kyiver Hierarchen versucht die christliche Einheit zu erhalten. Die Boten aus Rus nahmen an Konzilien der Westkirche in Lion (1245) und Konstanz (1418) teil. Kyiver Metropolit Isydor war selbst eines der Initiatoren der Union von Florenz (1439).

Solange Kyiver Metropolia an der Einheitwiederherstellung arbeitete, entstand nördlich von Kyiv, in Moskau, eine neue Metropolia. Die Moskauere Kirche hat verzichtet, die Union von Florenz zu erkennen und trennte sich von alter Metropolia in Kyiv, ihre Autokephalie (Selbstverwaltung) 1448 verkündet. Die Kirche in Moskau 1589 erwarb den Status des Patriarchats,  den Verfall des griechischen orthodoxen Christentums und Konstantinopel unter türkischer Herrschaft ausbenutzt.

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Union von Rom 1596 und die Spaltung der Ukraine auf Osten-Westen

Die Kyivere Kirche wurde durch die protestantische Reformation und wiederaufgenommenen Katholizismus herausgefordert. Die Kyivere Kirche machte eine seriöse innere Krise durch. Der Synod fasste einen Beschluss, unter Jurisdiktion des Apostolischen Stuhls zu übertreten, dabei den traditionellen Ostritus, eigene Kirchliche und ethnisch-kulturelle Urwüchsigkeit  zu sichern. Solches Modell der Kirchlichen Einheit wurde auf dem Konzil 1596 in Berest bestätigt. Von dieser Zeitpunkt aus beginnt die  Existenz der Griechisch-Catholischen Kirchein der Ukraine als einer Institution.

Ein Teil der Hierarchen und Gläubigen der Kyiver Metropolia bestand darauf, kanonische Zugehörigkeit zum Konstantinopolitanischen Patriarchat zu befolgen. Infolge Innenspaltung sind zentrale und östliche Teile der Ukraine 1654 unter „hohe Hand des alleingläubigen Moskauer Herrschers“  übergangen. Später wurde die orthodoxe Kyivere  Metropolia dem Moskauer Patriarchat (1686) unterordnet. Mit der Entwicklung des russischen Imperiums verstärkten sich die Verfolgungen gegen Griechisch-Katholiken und ihr gewaltsames Umschlagen auf russisches orthodoxen Christentum (1772, 1795, 1839, 1876).

Orthodoxe Klerus und Gläubige der Ukraine waren unzufrieden mit innerer Anhänglichkeit der Russischen Orthodoxen Kirche mit Imperialmacht und russischen Nationalinteressen. Das verursachte die Entstehung „ukrainophiler“ Richtung, die sich nach der russischen Revolution 1917 in organisierte Bewegung für Autokephalie des ukrainischen orthodoxen Christentums verwandelt hat. Ihre Ankündigungversuche sind aber auf heftigen Wiederstand und Repressionen der sowjetischen Macht gestossen.

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Polnische und Österreichisch-Ungarische Herrschaft in der Westukraine

Im Verlauf des Konzils in Brest war das Territorium der ganzen Ukraine im Bestand von Polnisch-Litauischen Reich. In der Westukraine, die weiter  zu Rech Pospolita (Polen) gehörte, galt die Kirche als Träger der kulturell-religiösen Eigenart ukrainischen Volkes. Mit dem Übergang des westukrainischen Territoriums zum Österreichischen Reich, gewann die griechisch-katholische Hierarchie allseitige Unterstützung und Protektion von Habsburgen.

An der Grenze des XX.Jahrhunderts war  die Griechisch-Katholische Kirche in Halytschyna hervorragender Persönlichkeit des Metropoliten Andrej Scheptytsky  (1901-1944) würdig. Seine geistliche Herrschaft wurde unruhige Zeiten zweier Weltkriege und siebenmalige Ablösung von Politregimen zuteil, einschliesslich sowjetischen und Naziregime. Sein beharrlicher Schutz der nationalen und sozialen Völkerrechte, caritative Tätigkeit, ökumenische Anstrengungen  haben die Kirche zur einflussreichen gesellschaftlichen Institution der Westukraine gemacht.

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Totalitäres Erbe – die Ukraine im XX.Jahrhundert

Ein unmittelbarer Faktor, der auf die Entwicklung des religiöen Lebens in der heutigen Ukraine Einfluss hat, ist die Tragödie des XX.Jahrhunderts –der Epoche des Terrors und der Gewalt. Nach annähernden Einschätzungen sind in der Ukraine des XX.Jahrhunderts etwa 17 Millionen Menschen gewalttätig ums Leben gekommen. Diese Opfer sind nicht nur durch Kriege und Konflikte verursacht, sondern durch chimäre Ideen der Weltumgestaltung.

Der Kampf mit der Religion war eine Staatsideologie, für deren Bestätigung keine Mühen geschont wurden. Die Gotteshäuser wurden zerstört, gebrannt, profaniert; Priester, Orthodoxen, Katholiken, Vertreter anderer Religionen wurden erschossen, in Haft genommen und in sibirische Gulagen verbannt. Die ganzen Kirchen wurden verfolgt, ins Exil hineingetrieben und völlig vernichtet (wie die Ukrainische Autokephale Orthodoxe Kirche am Anfang der 30-en Jahren, oder die Ukrainische Griechisch-Katholische Kirche 1946 in Halytschyna und 1949 in Transkarpatien). Von der Römisch-Katholischen Kirche und Orthodoxen Kirchen ist nur eine Kleinigkeit der Kirchlichen Gemeinden übriggeblieben, die unter strenger Kontrolle gestellt waren.

Sogar die Tätigkeit der Russischen Orthodoxen Kirche (die als Staatskirche funktionierte) war stark begrenzt. Sie litt unter Eindringen in ihre Reihen sowjetischen Geheimdienste. In der Gesellschaft entwickelte sich geistige Anspruchslosigkeit und vertiefte sich die Demoralisierung.

Die Krise der sowjetischen Macht in 80-er Jahren hielt den Prozess der Kirchenvertilgung auf. 1989 ist aus Exil die Ukrainische Griechisch-Katholische Kirche gekommen, die mit Regime verboten war, es wurden die Gemeinden der Ukrainischen Autokephalen Orthodoxen Kirche  gebildet. Die Verkündigung der Unabhängigkeit der Ukraine 1991 schuf einen neuen staatlich-politischen Kontext für die Tätigkeit aller Kirchen auf ihrem Territorium.

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© Die Ukrainische Griechisch-Katholische Kirche, 2001
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